Als die Landschaft sich erinnerte

Veröffentlicht am 12. September 2026 um 09:00

Ich war irgendwo zwischen Lüttich und Metz unterwegs, auf einer Strecke, die ich sonst wohl vergessen hätte. Ein Stück Autobahn, unscheinbar und ohne besondere Bedeutung.

Die Landschaft lag still neben mir. Sanfte Hügel, dichter grüner Wald, ein weiter Atemzug.

Ich wusste nicht, wo ich war.

Und vielleicht war genau das der Grund, warum etwas in mir aufstieg.

Es kam nicht wie ein Gedanke. Es kam wie ein Bild, das sich selbst erinnert.

Schwer verletzte Soldaten.
Ein Ort voller vergangener Schmerzen.
Kälte, Stille, ein Echo aus einer Zeit, die ich nie gesehen habe.

Ich spürte eine Schwere, die nicht zu dieser friedlichen Landschaft passen wollte.

Und ich weiß nicht, warum dieses Bild mich fand.

Vielleicht war es die Geschichte der Gegend.
Vielleicht meine eigene Sensibilität.
Vielleicht etwas, das sich in mir lösen wollte.

In mir entstand der Impuls, innerlich Licht dorthin zu schicken.

Kein großes Ritual.
Nur ein stiller Moment des Mitgefühls, ein Atemzug, der Frieden wollte – in mir, nicht in der Welt.

Manchmal berühren uns Orte, auch wenn wir ihren Namen nicht kennen.

Und manchmal genügt es, ihnen einen Augenblick Licht zu schenken,  damit wir selbst ein wenig leichter weiterfahren.

Seit jenem Tag weiß ich nicht mehr, ob ich nur durch eine Landschaft gefahren bin – oder ob für einen kurzen Augenblick eine Landschaft durch mich hindurchgegangen ist.

Seitdem fahre ich anders durch Landschaften. Weniger als jemand, der nur von A nach B will, sondern als jemand, der ahnt, dass Orte mehr erinnern können, als Karten erzählen.

Als die Landschaft sich erinnerte

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