Der Tempel des Lauschens öffnet sich.
Was gehört werden will, findet jetzt Raum.
Jetzt, Anfang Mai, sitze ich zum ersten Mal seit vielen Jahren an einem frühen Montagmorgen ohne Terminerinnerung, ohne E‑Mail‑Flut, ohne das vertraute Summen des Büros. Ich sitze einfach da, mit einer Tasse Kaffee, und lasse die letzten Wochen nachklingen. Mein Abschied liegt hinter mir — warm, voller Begegnungen, voller Lachen, voller Kuchen. Und ich merke: Manche Momente brauchen Abstand, um sich in Worte zu verwandeln. Erst jetzt, in dieser neuen Stille, kann ich erzählen, wie es wirklich war.
Ein Abschied mit Kuchen – und ein Anfang voller Zeit
Es gibt Übergänge im Leben, die sich nicht wie ein Ende anfühlen, sondern wie ein sanftes Hinübergleiten in einen neuen Raum. Meine letzten Arbeitstage waren genau so ein Übergang. Ich hatte gefühlt eine lange Zeit in diesem Unternehmen verbracht. Dabei habe ich viele Menschen kennengelernt, viele Gespräche geführt, viele kleine und große Herausforderungen gemeistert. Und als der Abschied näher rückte, wusste ich: Ich möchte diesen Moment bewusst gestalten: warm, leicht und persönlich. Und ja — mit Kuchen.
Präsenz im Homeoffice‑Zeitalter
Die letzten Jahre waren geprägt von Homeoffice, Videokonferenzen und digitalen Begegnungen. Viele Kolleginnen und Kollegen habe ich fast nur noch auf dem Bildschirm gesehen — kleine Kacheln, Stimmen aus Lautsprechern, Gesten, die durch die Kamera flackerten. Und während viele sich im Homeoffice eingerichtet haben, war ich weiterhin regelmäßig im Büro. Ich tat das nicht allein aus Pflichtgefühl, sondern weil ich gemerkt habe, wie wichtig mir Präsenz ist, vor Ort und ansprechbar zu sein. Sofort helfen zu können, wenn jemand etwas braucht. Ein Lächeln im Flur, ein kurzer Austausch an der Kaffeemaschine, ein Blick, der mehr sagt als jede E‑Mail.
Und ja — ein bisschen auch, weil ich mich verantwortlich fühlte. Weil ich spürte, dass meine Anwesenheit Ruhe bringt, Struktur, Orientierung. Vielleicht auch ein Hauch von Kontrolle, aber nicht im Sinne von Macht, sondern im Sinne von Fürsorge. Ich habe in dieser Zeit verstanden, dass Präsenz für mich nicht nur ein Arbeitsmodus ist, sondern eine Haltung. Eine Art, da zu sein — für andere, für den Chef, für das Team, für das Ganze.
Ein Fest der Begegnungen
Als ich dann zu meinem Abschied einlud, wollte ich genau diese Haltung noch einmal leben: Präsenz, Wärme, Verbundenheit.
Ich liebe es, Gastgeberin zu sein. Ich liebe es, Menschen einzuladen, ihnen etwas Gutes zu tun, einen Raum zu schaffen, in dem man für einen Moment einfach nur sein darf. Also habe ich sehr viele Kolleginnen und Kollegen eingeladen. Und weil ich an diesem Tag nicht mit Mehl im Haar erscheinen wollte, habe ich ein Kuchen‑Catering beauftragt.
Nicht, weil ich nicht backen kann — im Gegenteil. Sondern weil ich an diesem Tag einfach nur genießen wollte: ankommen, dasein, loslassen.
Es wurde ein Fest. Ein Fest der Begegnungen, der Erinnerungen, der kleinen Anekdoten, die erst im Rückblick kostbar werden. Ein Fest, das zeigte, wie viel Wärme in einem Arbeitsleben steckt, wenn man sie zulässt.
Ich stand dort mit einem Kuchenteller in der Hand, umgeben von Menschen, die meinen Weg begleitet hatten. Menschen, mit denen ich gelacht habe, mit denen ich Herausforderungen gemeistert habe, mit denen ich viele kleine Momente geteilt habe, die mich geprägt haben.
Karmische Schönheit
Und während ich so dastand, erinnerte ich mich an einen Moment, der Jahre zurückliegt: an einen Tag im SPA, an dem ich ein Buch über Karmic Management las und plötzlich verstand, dass nicht die Handlung den Samen pflanzt, sondern die Motivation dahinter.
Dass es nicht darum geht, etwas zu tun, um dafür etwas zurückzubekommen, sondern darum, wie man es tut: mit welcher Haltung, welchem Herzen, welchem inneren Klang.
Ich dachte daran, wie sehr mich dieser Gedanke begleitet hat:
- Dass Schönheit entsteht, wenn wir aus Freude geben.
- Dass Großzügigkeit ein stiller Same ist.
- Dass die Wirkung nicht planbar ist — aber sicher.
Und ich erkannte an diesem Abschiedstag etwas Zweites, das im Karmic Management genauso wichtig ist: Geben ist nur die eine Hälfte. Loslassen ist die andere.
Ich hatte eingeladen, gestaltet, gegeben — und dann durfte ich einfach da stehen und den Moment wirken lassen. Ohne Erwartung. Ohne Berechnung. Ohne Kontrolle. Nur mit Dankbarkeit. Und ich wurde reichlich beschenkt.
Und vielleicht ist das der dritte Aspekt, den ich erst jetzt wirklich verstanden habe: Karma entsteht nicht im Tun, sondern in der inneren Haltung, mit der wir durch die Welt gehen.
Ein neuer Abschnitt
Jetzt, im Ruhestand, habe ich Zeit: für Stille, für das Schreiben, für neue Wege, Zeit für das, was mich nährt. Und ich gehe mit einem Herzen voller Dankbarkeit für all die Jahre, für all die Begegnungen, für all die Menschen, die meinen Weg begleitet haben. Und für einen Abschied, der sich nicht wie ein Abschied anfühlte, sondern wie ein Anfang.
Und ja — der Käsekuchen war wirklich karmisch wirksam.
Vielleicht erinnert Dich mein Abschied daran, wie wichtig es ist, die kleinen Momente zu feiern. Die Menschen zu würdigen, die Deinen Weg begleiten. Und Schönheit zu schenken, wo immer Du kannst.
Ein süßer Moment des Loslassens – gegeben, geteilt, weitergezogen.
Ein süßer Abschied
Die Torten kamen von der Zuckerschnute — einem kleinen Hamburger Café, in dem alles von Hand entsteht. Jede Torte trägt die Handschrift der Inhaberin: Sorgfalt, Freude, ein feines Gespür für das Wesentliche.
Elf Schönheiten standen auf der Tafel, wie ein leiser Kreis von Begleiterinnen. Fruchtig, cremig, nussig, schokoladig — jede ein kleines Geschenk. Man schmeckte die Hingabe und die Liebe zum Tun.
Für mich war es mehr als ein Buffet. Es war ein Moment des Anhaltens. Ein Abschied, der weich wurde, weil so viel Wärme im Raum war. Ein Fest, das zeigte, wie viel Verbindung in all den Jahren gewachsen ist.
Ein süßer Übergang und ein Dank an das Leben, das solche Begegnungen möglich macht.
Kommentar hinzufügen
Kommentare