Eine Reise ins Innere
Manchmal führt uns eine Reise nicht nur zurück an einen Ort, sondern tief hinein zu uns selbst.
Nach 47 Jahren kehrte ich auf die Insel meiner Kindheit zurück – nicht, um Neues zu entdecken, sondern um einen Teil von mir wiederzufinden. Fast ein halbes Jahrhundert liegt zwischen damals und heute, zwischen Kindheit und Erwachsensein. Und doch blieb die Erinnerung lebendig – weil sie einmalig war, weil sie mich geprägt hat, weil sie wie ein stiller Schatz in mir weiteratmete.
Kindheit und Erinnerung
Ich war als Kind nur ein einziges Mal auf Borkum. Der Abschied fiel mir schwer – vielleicht gerade deshalb blieb die Erinnerung so stark. Sandburgen, Muscheln, Mohnkuchen. Die Fähre als Übergang in eine andere Welt. Die Kleinbahn ratterte wie ein Versprechen: Jetzt beginnt der Urlaub. Es war eine Zeit voller Leichtigkeit. Sommerferien ohne Konflikte – oder vielleicht sind die Konflikte längst verblasst. Geblieben ist das Gefühl von Frieden.
Damals war ich ganz mit mir selbst beschäftigt. Ich las, versank in Geschichten, lebte in meiner eigenen Welt. Für mich war alles luxuriös: dass andere uns umsorgten, dass wir nichts tun mussten außer spielen, genießen, frei sein.
Heute erkenne ich: Auch meine Eltern fanden dort eine seltene Freiheit. Keine Obsternte, keine Arbeit – nur Ferien. Vielleicht war es genau diese gemeinsame Leichtigkeit, die die Insel für uns zu einem besonderen Ort machte.
Rückkehr und Ganzheit
Dieses Mal empfing mich die Insel mit einem Schauspiel:
Zuerst der Nebel – ein Bild für das Unklare, das mich noch umgab.
Dann der Wind – er trug mich weiter, bewegte mich, rüttelte mich auf.
Die Sonne brach durch – Momente der Erkenntnis, die plötzlich alles erhellten.
Und schließlich der Regen – Erinnerung ans Loslassen, an Reinigung, an Versöhnung.
Es war, als hätte die Insel mir ein Schauspiel geschenkt – nicht für die Touristen, sondern für mich allein.
Luft als Geschenk
Und dann diese wunderbare frische Luft, die mich durchatmen lässt. Vielleicht war es genau das, was mich damals so tief berührte: ein Atemzug ohne Last, ein Atemzug voller Freiheit.
Ich war aufgewachsen im Dreiländereck, zwischen Schloten, Abgasen, Ruß. Dazu der Stau am Ende der Autobahn, die Autos ohne Katalysator, der Zigarettenrauch zuhause. Die Luft meiner Kindheit war schwer, sie ließ mich husten.
Auf der Insel dagegen konnte ich frei atmen – als hätte mein Körper zum ersten Mal begriffen, was Leichtigkeit bedeutet.
Im täglichen Leben fehlt mir auch jetzt diese Reinheit. Zwar gibt es Luftfilter und Vorschriften, doch Nase und Bronchien erzählen mir anderes: Rauch, Parfüm, künstliche Düfte. Subtil, jedoch allgegenwärtig. Und so wächst die Sehnsucht nach jener unverfälschten Luft, die mich damals frei atmen ließ – als wäre sie das eigentliche Geschenk.
Realität und Versöhnung
Natürlich weiß ich: Borkum lebt vom Tourismus. Für die Menschen, die hier arbeiten, ist es während der Saison kein Aufenthalt im Paradies, sondern es sind lange Tage mit kaum Freizeit.
Aber gerade diese Realität erdet mich. Sie zeigt mir, dass Schönheit und Mühe, Leichtigkeit und Last immer zusammengehören. Und ich darf dankbar genießen, dass es hier für die Zeit meines Aufenthalts Menschen gibt, die mich umsorgen.
So wurde die Rückkehr zu einem kleinen Mosaikstein im Bild meiner Kindheit. Sie relativierte Sorgen, sie war wie Balsam. Ein stiller Gruß aus der Tiefe vergangener Zeit, der mich daran erinnerte, wer ich einmal war – und wer ich heute bin.
Gegenwart und Zukunft
Vielleicht liegt die eigentliche Wirkung dieser Rückkehr darin, dass sie mir zeigte, was ich wirklich brauche: reine Luft, die mich frei atmen lässt. Nicht nur für ein paar Tage auf der Insel, sondern dauerhaft.
Ich spüre den Wunsch nach Orten, an denen ich leben kann ohne die Last von Abgasen, Rauch und künstlichen Düften. Besonders nachts, wenn ich bei geöffnetem Fenster schlafe, sehne ich mich nach dieser unverfälschten Luft. Borkum hat mir bewusst gemacht: Es ist nicht nur Erinnerung, sondern Maßstab für das, was ich mir für mein Leben wünsche.
Was im Außen ist, muss ich akzeptieren. Aber ich kann überlegen, was ich selbst tun kann – Orte suchen, an denen die Luft leichter ist, und Verantwortung übernehmen, sie zu schützen. Denn reine Luft ist kein Luxus, sondern ein Geschenk, das wir alle teilen.
Dein eigenes Borkum
Auch dieses Mal fiel mir der Abschied schwer. Gerne wäre ich länger geblieben. Doch vielleicht liegt darin die Wahrheit: Manche Orte sind nicht dazu da, uns festzuhalten, sondern uns zu erinnern.
Borkum ist für mich weniger ein Ort des Aufenthalts als ein Ort der Sehnsucht – ein Geschenk, das sich immer wieder neu ins Bild meiner Kindheit fügt. Und während ich die Insel verlasse, bleibt etwas in mir: die Gewissheit, dass Versöhnung möglich ist, dass Erinnerung heilend sein kann.
Vielleicht hast auch Du einen eigenen Sehnsuchtsort – einen Ort Deiner frühen Jahre, der Dir Frieden schenkte. Solche Orte sind mehr als Erinnerungen: Sie sind Quellen der Kraft, der Versöhnung, des inneren Friedens.
Nimm Dir einen Moment Zeit, um Dein eigenes „Borkum“ wiederzufinden – sei es in Gedanken, im Gespräch, im Spaziergang oder in einer Reise. Manchmal genügt schon das Erinnern, um wieder frei durchatmen zu können.
Die Luft hüten
Reine Luft entsteht nicht durch Überdeckung, sondern durch Aufmerksamkeit. Vielleicht bedeutet das:
- Lieber Toiletten und Abflüsse putzen, statt sie zu beduften.
- Duftkerzen kritisch prüfen, ob sie schädliche Stoffe enthalten.
- Raumbeduftung, Duftsteine, ätherische Öle, Räucherkerzen und -Stäbchen verantwortungsbewusst benutzen und ihre Inhaltsstoffe genau betrachten.
- Parfüms und Deos neu betrachten – es gibt Alternativen zu stark riechenden Sprays, die die Luft des ganzen Umfelds überlagern.
- Auch Duftstoffe in Pflege- und Wäscheprodukten kritisch sehen, da sie die Luft dauerhaft verändern können.
- Rauch vermeiden, wo wir können – nichts belastet die Luft unmittelbarer und nachhaltiger.
- Regelmäßig stoßlüften statt dauerhaft kippen, um verbrauchte Luft und Feuchtigkeit hinauszulassen.
- Staub und Schimmel vorbeugen: durch Sauberkeit, bewusstes Lüften und Pflanzenpflege.
- Zimmerpflanzen nutzen, die Schadstoffe binden und Sauerstoff spenden.
- Spaziergänge und Aufenthalte bewusst an Orten mit klarer Luft suchen – im Wald, am Meer, im Grünen.
Am Ende gilt: lieber putzen als beduften. Reine Luft entsteht nicht durch Überdeckung von Gerüchen, sondern durch Pflege, Aufmerksamkeit und bewusste Entscheidungen. So tragen wir alle dazu bei, dass das Geschenk der Luft erhalten bleibt.
Vor dem ersten Atemzug
Dieser Text begann mit einer Sehnsucht – nach Luft, nach Erinnerung, nach einem Ort, der einmal Frieden bedeutete. Was sich zunächst nur vage andeutete, wurde mit jedem Satz klarer, dichter, lebendiger. Vielleicht findest Du darin etwas Eigenes wieder: eine Spur, einen Klang, einen Ort, der Dich atmen lässt.
Die Magie des Schreibens
Manchmal beginnt ein Text mit einer Ahnung, einem flüchtigen Gedanken, der kaum greifbar ist. Und dann – durch Geduld, durch Fragen, durch das Ringen um Worte – entsteht etwas, das mehr ist als geplant.
So war es auch hier. Aus einer diffusen Idee wurde ein poetischer Rückblick, eine Einladung zur Erinnerung, eine praktische Geste der Verantwortung. Der Text hat sich verwandelt – nicht nur inhaltlich, sondern auch innerlich.
Vielleicht liegt darin die Magie des Schreibens: dass wir uns selbst überraschen dürfen. Dass ein Gedanke, der kaum Form hatte, am Ende etwas Einzigartiges wird. Etwas Wertvolles – für mich und, so hoffe ich, auch für Dich.
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